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DIE NEWS IN HESSEN |
Weltmeisterliche Trainerfortbildung in Wiesbaden (23.02.)
Die
Grundzüge der Bewegungslehre von Rudolf von Laban und der Transfer zum
Turniertanzen

Am
diesjährigen Rosenmontag richtete die Tanzsporttrainervereinigung wieder einmal
den Rosenmontagstreff in den Clubräumen des TC Blau-Orange Wiesbaden aus, in
dessen Rahmen eine überfachliche Trainerfortbildung stattfand.
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Thema
und Referent waren so verlockend, dass neben der Führungsspitze der TSTV (Sony
Schöneberger, Niko Riedl & Adalbert Wigger) auch zahlreiche A-Trainer unter
den ca. 100 Zuschauern gekommen waren, um den weisen Worten des Meisters zu lauschen.
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Doch
nun zu den eigentlichen Inhalten des Lehrgangs: Zu Beginn wurden einige
wesentliche Grundbegriffe geklärt. So sind im Zusammenhang mit dem Tänzer
Musik, Bewegung, Balance, Energie, Paartanzen, Charakteristik, Choreographie,
mentale Stärke und Fitness zu sehen (wobei Holger hier insbesondere Musik und
Paartanzen wichtig waren). Im Zusammenhang mit der Bewegung sind Motivation,
Design (Struktur der Bewegung), Dynamik, Rhythmus und Ausdruck von Bedeutung.
Eines
der Hauptthemen des Lehrgangs stellten die vier Bewegungsfaktoren (Kraft, Zeit,
Raum und Bewegungsfluss dar). Diese sind definiert als „natürliche
Gegebenheiten, welche Bewegung aktivieren“.
Im
Bereich der Kraft wirken Schwerkraft und Muskelkraft gegeneinander. Oft wird
auch ein von außen fehlender Widerstand durch einen muskulär selbst
hergestellten Widerstand simuliert. Ein typisches Beispiel hierfür sind
Flamenco-Armbewegungen, bei denen die Arme derart nach oben geführt werden, als
wirke ein Druck von außen auf sie ein.
Bei
der Zeit wurden neben Geschwindigkeit, Tempo und Rhythmus vor allem Akzente
hervorgehoben. Hier demonstrierte Holger verschiedene Varianten am Beispiel
einer Samba Bota Fogo:
·
Impuls (Akzent am Anfang)
·
Impact (Akzent am Ende)
·
Swing (Akzent in der Mitte)
·
Rebound (erst Impact, dann Impuls)
Merksatz
hierzu: “Eine plötzlich oder allmählich entstehende Spannung kann einer
rhythmisch wichtigen Bewegung eine Betonung oder einen Akzent geben.“
Als
dritter Bewegungsfaktor wurde der Raum beleuchtet. Holger erläuterte, wie man
durch bewussten Gebrauch und das Verständnis von Raum Aufmerksamkeit erzeugen
kann. Dabei geht der Fokus des Tänzers über die eigene „Bewegungsglocke“
(den Raum, den man durch Bewegen der Arme, Beine etc. unmittelbar erreichen
kann) hinaus. Ein ähnlicher Effekt kann im Paartanzen auch durch das
Verschmelzen zweier Bewegungsglocken entstehen: Wenn zwei Tänzer sich treffen,
entsteht aus zwei einzelnen Kinesphären eine „Paarkinesphäre“, die
wesentlich größer ist, als die Summe der einzelnen Kinesphären.
Letzter
Faktor ist der Bewegungsfluss. Hier wird zwischen gebundenen (kontrollierten)
und freien Bewegungen unterschieden. Merksatz: „Aufmerksamkeit, Absicht und
Entscheidung sind Phasen der inneren Vorbereitung einer äußeren körperlichen
Aktion. Der Fluss verbindet die Bewegungsfaktoren und gibt dem inneren Antrieb
– bezogen auf die Bewegungsfaktoren – einen konkreten äußeren Ausdruck.“
Aus
den drei primären Bewegungsfaktoren (Kraft, Zeit und Raum) ergeben sich
verschiedene Bewegungstypen, die auch als Antriebsaktionen bezeichnet werden.
Laban definierte 8 elementare Antriebsaktionen (drücken, stoßen, wringen,
peitschen, gleiten, tupfen, schweben und flattern), mit denen man prinzipiell
jede Bewegungsform beschreiben kann, und die allesamt auf die primären
Bewegungsfaktoren zurückzuführen sind. Durch eine Ausprägungskombination
dieser Bewegungsfaktoren, entstehen genau diese 8 verschiedenen
Antriebsaktionen.
Anmerkung
des Verfassers: Man kann dies auch mathematisch herleiten, wenn man bei den
Bewegungsfaktoren immer nur die jeweiligen Extremausprägungen berücksichtigt.
Damit ergeben sich zwei mögliche Zustände für drei Bewegungsfaktoren. Daraus
resultieren 2^3 = 8 Antriebsaktionen.
Die
Ausprägung dieser Bewegungsfaktoren nennt man Energie- oder Antriebsqualitäten.
Dabei reicht die Skala von „gegen die Bewegungsfaktoren Ankämpfen“ bis zum
„Erspüren“ derselben. Bei der (Schwer-)kraft entspricht dies kraftvoll bis
zart, bei der Zeit plötzlich bis allmählich und beim Raum direkt bis indirekt.
Hierzu
ein Beispiel:
Eine
kraftvolle Bewegung (Kraft), die plötzlich (Zeit) und direkt (Raum) ausgeführt
wird, entspricht einem Stoßen.
Ist
diese Bewegung nun allmählich statt plötzlich entspricht sie einem Drücken.
Auch
viele Tanzfiguren lassen sich damit klassifizieren. So gibt es für verschiedene
Tänze charakteristische Antriebsaktionen:
·
Samba: peitschen, tupfen, flattern, wringen
·
Cha Cha: stoßen, tupfen, wringen
·
Rumba: wringen, drücken, stoßen
Übergänge
von Bewegungen (auch Mutationen genannt) werden in harmonische Übergänge (nur
eine Bewegungsqualität verändert sich, dadurch entsteht relativ wenig Akzent)
und unharmonische Übergange (akzentuierter, da sich mindestens zwei Faktoren ändern)
klassifiziert. Insbesondere die unharmonischen Übergänge lassen das Tanzen
interessant und abwechslungsreich erscheinen.
Durch
diese Ideen bekommt das Tanzen eine völlig neue Komplexität. Damit dies für
einen „normalsterblichen Tänzer“ überhaupt realisierbar ist, lautet
Holgers Empfehlung, die Schritte so einfach wie möglich zu halten, die Körperbewegung
aber (schrittweise aufbauend) so komplex wie möglich zu gestalten. Dadurch wird
das Tanzen sowohl für den Zuschauer, als auch für den Tänzer selbst
interessanter.
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Trotz
des sehr anspruchsvollen und teilweise vielleicht etwas trockenen Themas,
schaffte Holger es, dieses kurzweilig und interessant zu vermitteln, was nicht
zuletzt seinem großen Bewegungstalent zu verdanken ist. Leider lassen sich die
meisten Ideen auf den ersten Blick nur für das Lateintanzen umsetzen, wenn man
einige Ansätze jedoch weiter durchdenkt, wird schnell klar, dass auch im
Standardtanzen dieselben Prinzipen gelten.
Anmerkung
des Verfassers: Als Denkansatz kann man beispielsweise in einem Schwungtanz
versuchen, mit dem Bewegungsfluss zu experimentieren und gebundene und freie
Bewegungen gezielt einzusetzen.
Die
Lehrgangsteilnehmer dankten dem Referenten für seine Ausführungen und
hervorragende Präsentation mit Standing Ovations. Bleibt zu hoffen, dass es der
TSTV auch im nächsten Jahr wieder gelingt, einen so ausgezeichneten Referenten
für den Rosenmontagstreff zu gewinnen. Die Messlatte wurde in diesem Jahr auf
jeden Fall wieder ein ganzes Stück höher gelegt.
Text/Bild: Robert Panther
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